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Jenseits des Unbehagens: Vom Arbeiten an der Gemeinschaft

Im Rahmen des Kunstfestivals SOHO in Ottakring von 2. bis 17. Juni 2018 realisieren 152 Künstler* innen an 8 Festival-Orten und im öffentlichen Raum in Wien  Sandleiten unter dem Motto „JENSEITS DES UNBEHAGENS. Vom Arbeiten an der Gemeinschaft“ 62 Kunstprojekte & -veranstaltungen, die sich mit dem  Themenkomplex Demokratie im Spannungsfeld von Arbeit und sozialer Verantwortung sowie mit der Bedeutung von Solidarität und Gemeinschaft befassen.

Auf dem Programm stehen 17 Kunst-Projekte, 10 Ausstellungen, 7 Konzerte, 6 Workshops, 5 Performances, 5 Interventionen im öffentlichen Raum, 4 Diskursveranstaltungen, 3 Filmscreenings, 2 Kindertheaterstücke, 2 wachsende Archive und 1 Symposium.

Vor dem Hintergrund des Festival-Mottos dominieren interaktive und partizipative Projekte. Die Kunstschaffenden thematisieren gesellschaftlichen Zusammenhalt und gehen in die Praxis. Unter vielen verschiedenen künstlerischen Aspekten beleuchten sie auch große gesellschaftliche Themen in Zeiten der Globalisierung. Vor allem geht es um ein Zeigen und Erleben von weltweiten Zusammenhängen, die sich auch auf der Mikroebene manifestieren, und einem Weiterdenken über Zukunft der  Demokratie jenseits eines wachsenden Unbehagens.

Die Festival-Eröffnung erfolgt am 2. Juni, ab 17 Uhr, u.a. mit einer Prozession der Experimental-Ethno-Rock-Band Couscous und des polyglotten Weltkultur  Frauenchors durch den Kongreßpark zum Matteottiplatz.

Nachstehend einige „Kostproben“ aus dem Programm:

Kunst-Projekte
Unter dem Titel „Mangels Überfluss“ wollen die Künstler*innen Lisa Puchner, Nora Gutwenger und Stephan Trimmel während des Festivals durch freiwillige Spenden  der Nachbar*innenschaft ein derzeit leer stehendes Lokal im Sandleitenhof in ein funktionierendes Café – das Café Mangel – verwandeln.

„SYSTEM“ von Karim El Seroui ist eine Installation rund um das Thema Arbeit, Ausbeutung und Ressourcenvernichtung. Die Besucher*innen sind dazu eingeladen, sich freudig in die Arbeitsbox zu begeben und dann schonungslos mit sich selbst zu konfrontieren.

Unter dem Titel „EINANDERbewegt“ geht die Künstler*innen-Gruppe EINANDER mit einer rollenden Kombüse und vielen Ideen im Gepäck Fragen rund um Wert und Bedeutung von Gemeinschaft nach.

Das Perfomance-Fernseh-Kollektiv irreality.tv dreht ab Mai in Sandleiten die partizipative Science-Fiction-Fernsehserie „NACHTWACHE“ über eine schlaf- und  traumlose Welt. Wer mitmachen will, kann sich unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder im irreality.tv-Produktionsbüro melden – die Weltpremiere findet im Herbst 2018 im brut Wien statt.

Mit dem Performance-Projekt „Diplomat Diplomat“ behandelt Gerald Straub in seinem „Büro für diplomatische Angelegenheiten“ Fragen nach Repräsentation, Ritual  und Status und lädt ein zu „diplomatischen Empfängen“ samt Chauffeur und schwarzer Limousine, Delegierten-Reden, Diplomatenpässen, Eröffnungsbändern,  Gastgeschenken und Protestnoten.

„stffwchsl WERKSTATT #3“ des Künstler*innen-Kollektivs Im_flieger ist Werkstatt und Werk zugleich: Sieben Künstler*innen unterschiedlicher Disziplinen öffnen ihre künstlerische Praxis und laden Besucher*innen dazu ein, sie bei ihren Forschungen zu begleiten und mit ihnen in Dialog zu treten, um die Potenziale des Miteinanders durch das Teilen künstlerischer Prozesse zu erforschen.

Das Österreichische Filmmuseum startet mit „Am Rand: Die Stadt – Wien in privaten Filmen“ eine Sammelaktion von Amateurfilmen, die Wien am bzw. vom Rand abbilden, um diese zu archivieren.

„Private Fotografie in Österreich zwischen 1930 und 1950. Zeigen Sie uns Ihre Alben und Fotografien!“ lautet der Aufruf des Wiener Volkskundemuseums, um  Familienfotos aus einer durch politische Brüche, Konflikte und Katastrophen geprägten Epoche zu sammeln, wissenschaftlich auszuwerten und im Herbst 2018 im Volkskundemuseum auszustellen.

Ausstellungen & Installationen
„Wunderkammmer in der Sandburg“ heißt die von den Urbanist*innen Karsten Michael Drohsel und Annika Hollmichel initiierte wachsende Ausstellung von privaten Objekten, die – stellvertretend für die (Lebens-)Geschichten der aus der Nachbarschaft stammenden Leihgeber*innen – in einem überdimensionierten Setzkasten  ausgestellt werden, um die Besucher*innen miteinander ins Gespräch zu bringen.

Mit ihrer künstlerischen Intervention „Flags of Utopia – What if…?” reflektiert Theresa Hattinger bestehende Formen und Farben von Flaggen sowie die Strukturen von Gesellschaftssystemen. Die Ergebnisse dieses De- bzw. Neukonstruktionsprozesses werden in Form neuer Flaggenvarianten in Sandleiten gezeigt.

Lena Rosa Händle thematisiert mit ihrer Installation „I (We) Feel Seen“ Sicht- und Unsichtbarkeit, Begegnung und Diversität queer-feministischer Künstlerinnen und Bewegungen in New York City.

Im Rahmen der von Magdalena Fritsch und Sophie Lingg kuratierten Ausstellung „Akte 2: Das Gesetz des Gemeinwohls ― Demokratie zwischen Utopie und  Unbehagen“ soll das „Gesetz des Gemeinwohls“ in Kraft treten und den Ausstellungsraum in einen Ort der Reflexion für gegenwärtige gesellschaftliche Entwicklungen transformieren.

In der Ausstellung „BLICKFELD“ von Johanna Klement und José Pozo geben Foto-Portraits von Asylwerber*innen mit Schwimmwesten und großformatige Siebdrucke von Gegenständen im Leben von Frauen mit Fluchtgeschichte Einblicke in die Situation von Menschen, die sich hinter medial aufgeladenen Begriffen wie „Flüchtlinge“, „Asylwerber“ oder „Fremde“ verbergen.

„strom<< >>arbeit am konnektiv“ des Kunststudent*innen-Kollektivs Kompetenzzentrum Elektra ist eine wachsende Ausstellung mit Interventionen, in deren Rahmen sowohl Stromkreisläufe als auch die kollektiven Dimensionen des Stromnetzes erforscht und wahrnehmbar gemacht werden.

Diskurs & mehr
Gegenstand der musikalisch-literarischen Performance „Für die offene Gemeinschaft einstehen: Widerstand und Zivilcourage damals und heute“ von Rudi Burda, Albert Dlabaja, Luis Stabauer, Kurt Winterstein, Eva Schumacher und des Ottakringer Rapper-Duos EsRap sind Strategien des Einsatzes für eine offene und  solidarische Gemeinschaft während der NS-Zeit und heute in Ottakring. Ein Kooperationsprojekt der wohnpartner.

Bei der Podiumsdiskussion „Gemeinschaft: Ein Ankommen und Entgegenkommen“ sprechen Historikerin Dinah Lepuschitz-Stocker, wohnpartner-Mitarbeiter Andreas Pavlic, dérive – Herausgeberin Elke Rauth sowie Bewohner*innen des Sandleitenhofes und weitere wohnpartner – Mitarbeiter*innen über Möglichkeiten, die ein gutes Ankommen im Gemeindebau ermöglichen. Denn ohne konkrete Schritte bleibt die gleichberechtigte Gemeinschaft nur eine schöne Idee. Ein Kooperationsprojekt der wohnpartner.

Unter dem Titel „rePRODUZIERE DICH!“ steht ein von Künstlerin Minna Antova kuratierter Tag mit Performances, Workshop, Diskussion und Kurzfilmprogramm rund  um das Spannungsfeld Kunst – Kinder – Karriere auf dem Programm. Unter den Mitwirkenden sind u.a. Elke Papp, grauenfruppe, Sylvie Lacroix, Bernadette  Laimbauer, Matilda Marsden-Laimbauer, Ingrid Mairhuber, Lisbeth N. Trallori, Birge Krondorfer, Claudia Sandoval Romero, Ina Loitzl, Agnes Kehrer, Claudia Sandoval Romero.

Workshops
Beim Workshop „Jenseits des Unbehagens. Kanistergeflüster im Wandel der Zeit" können sich Interessierte — professionell begleitet vom Lampendesigner Kabelmann — im Entwerfen und Herstellen von Lampenobjekten aus Recyclingmaterialien üben.

„Upcycling“ ist der Vorgang der Wertsteigerung von Abfall- oder Gebrauchtmaterialien zur Herstellung eigens gestalteter neuer Gebrauchs-Gegenstände. Ziel des  gleichnamigen Workshops von Hermann Krejcar ist die Schärfung der Wahrnehmung von Materialien.

Der Mobile-Reporting-Workshop „Wie klingt Ottakring?“ von Jaqueline Gam verwandelt das eigene Smartphone oder Tablet zum Radiostudio in der Hosentasche, mit dem O-Töne und Meinungen über das Zusammenleben in Ottakring eingefangen werden. Der Workshop findet in Kooperation mit Radio ORANGE 94.0 statt.

Angeleitet durch den erfahrenen Musiker Gammon sind Interessierte beim E-Musik-Workshop „Modular Synthesizer Ensemble“ eingeladen, auf insgesamt zwölf  bereitgestellten Modularsynthesizern Klänge, Melodien, Geräusche und Sequenzen zu entwickeln. Ausgehend vom individuell entstandenen Klangmaterial wird  gemeinsam experimentiert, improvisiert, komponiert und interpretiert. Die Ergebnisse werden als Ensemble live präsentiert.

Symposium
Das Symposium „Kunst und Demokratie“ — u.a. mit Beiträgen von Christina Werner und Oliver Ressler— setzt sich zwei Tage lang mit den Zusammenhängen  zwischen Demokratie und Kunst auseinander. Filmemacher*innen, Designer*innen, Künstler*innen und Theoretiker*innen sprechen über kritische Geschichtsarbeit,  neue Formen der Zusammenarbeit zwischen sozialem, politischem und ökologischem Aktivismus, Bewegungen für denationalisierte Staatsbürger* innenschaft und soziale Gerechtigkeit.

Das Symposium ist eine Kooperation des Fachbereichs Kunst und Bildung des Instituts für das künstlerische Lehramt mit dem Festival SOHO in Ottakring.

Konzerte
Seit 2016 macht der Verein Voice of Diversity den musikalischen Reichtum Ottakrings mit der Veranstaltungsreihe „World Jam Sessions Ottakring mit Harri Stojka“  sichtbar. Der Schwerpunkt liegt auf Roma-Musik, die auch allen anderen (Welt-)Musikrichtungen gegenüber offen ist. Die Session leitet der international bekannte Gitarrenvirtuose Harri Stojka, und er wird mit seinen zahlreichen Gästen aus den unterschiedlichsten Genres die Roma-Musik zu völlig neuen Formen der Musik führen.

Eine generationsübergreifende kulturelle Begegnung verspricht das Projekt „Wiener Konzerthaus trifft SOHO in Ottakring: Martin Grubinger im Kongreßpark“, Zum  Abschluss des Festivals laden SOHO In Ottakring und das Wiener Konzerthaus gratis zu einem Open Air-Konzert mit Schlagzeug-Superstar Martin Grubinger, seinem Percussive Planet Ensemble und den Teilnehmern des Percussion-Workshops in den Kongreßpark ein.

Filmscreenings
„We CARE for Your Shirts and … Our Rights“ ist ein Dokumentarfilm über die prekären Arbeitsbedingungen von Textilarbeiterinnen in Bangla Desh mit  Publikumsgespräch mit Thomas Haunschmid und Julia Weber von der Hilfsorganisation CARE Österreich.

Kindertheater
Die „ZiegenOneManShow“, ein Mitmachtheaterstück von und mit Andrea Tiziani erzählt von Monsieur Seguins Landwirtschaft mit Hühnern, Schweinchen, Hasen und der kleinen Ziege Blanchette. Monsieur Seguin und Blanchette leben in einer wohlhabenden Welt. Doch dann kommt der arme, böse Wolf aus Ghana und gefährdet  ihre heile Welt, weil auch er gern hier leben möchte. – Hintergrund: Alte elektronische Geräte aus der westlichen Welt werden nach Ghana geschickt, um mit  geschenkter Technologie „zu helfen“, aber die meisten Geräte sind ABFALL der „zivilisierten Welt“. Dieser GESCHENKTE „ABFALL“ wird durch dubiose Kanäle im Land und im Meer „entsorgt“.

„Asche“ ist der Titel einer ethnografischen Märchen-Reinterpretation im Kontext der Globalisierung, die von Elisabeth Bakambamba Tambwe und Camille Chanel als interaktive, performative Lesung für angemeldete Schulklassen präsentiert wird. In dieser Bearbeitung des Märchenklassikers Cinderella bzw. Aschenputtel werden die identitätsstiftende Funktion von Märchen kritisch reflektiert und alternative Verhaltensmuster aufgezeigt.

Festival-Ort: Sandleitenhof und Umgebung, Wien 16 Das Festival findet im Gebiet Sandleiten statt. Festival- Zentrum ist das alte Kino im Sandleitenhof. Der Kongresspark und das Gebiet um die Vorortelinie bis zu den Gründen der Firma Julius Meinl werden ebenso einbezogen.

Sandleiten ist Teil eines historisch gewachsenen Gebiets am nordwestlichen Rand von Wien-Ottakring. Besonders hervorzuheben sind der Kongresspark, das Kongressbad und eine Vielzahl von gemeinnützig errichteten Wohnbauten, darunter der eindrucksvolle Sandleitenhof, mit 1.587 Wohnungen und ca. 4.500  Bewohner*innen, der größte Wohnkomplex der Ära des Roten Wien. Der Kongresspark entstand 1927 bis 1929, mit zwei Spielplätzen, ehemaliger Milchtrinkhalle und
Wiese. In den Sommermonaten wird der Park von einer multiethnischen Nachbarschaft intensiv genutzt.

SOHO in Ottakring ...
... findet seit 2013 im Gebiet Sandleiten im 16. Wiener Gemeindebezirk statt und hat zum Ziel, mit künstlerischen Mitteln Ebenen der Reflexion und der Praxis zu visualisieren und erlebbar zu machen. SOHO in Ottakring ist ein im Jahre 1999 aus einer Künstler*innen-Initiative entstandenes Kunstprojekt und Kunstfestival im  urbanen Raum von Ottakring, 16. Wiener Gemeindebezirk. Bis zum Jahr 2012 war SOHO überwiegend im und um das multi- und transkulturell geprägte Brun-nen¬viertel tätig und wurde als partizipatorisches, interdisziplinäres und innovatives Kunstprojekt mit starkem Bezug zu seinem lokalen Umfeld weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt.

Festival-Orte:
Altes Kino, Liebknechtgasse 32 | Altes Museum, Gomperzgasse 1-3 | Alte Milchtrinkhalle und auf der Wiese, Kongreßpark | Matteottiplatz | Am Rand : Die Stadt, Rosa-Luxemburg-Gasse 7 | Cafe Mangel, Rosa-Luxemburg-Gasse 9 | Kunstapotheke, Liebknechtgasse 30 | wohnpartner, Matteottiplatz 3 | Bar im lten Kino, Liebknechtgasse 32

Eröffnung:
Sa 2. Juni, 17 – 24 Uhr | Sandleiten in Ottakring, Wien

Öffnungszeiten:
Eröffnung Sa 2. Juni, 17.00 – 24.00 Uhr
So 3. Juni 2018, 17.00 bis 21.00 Uhr
Mi 6. – So 10. Juni und Mi, 13. – Sa 16. Juni, 17.00 bis 21.00 Uhr
Festivalfinale So 17. Juni, 17.00 bis 24.00 Uhr

www.sohoinottakring.at