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Der Gast ist König, der Mitarbeiter Kaiser?

Als führendes Tourismusland mit jährlich über 47 Millionen Nächtigungen rüsten sich Tirols Hotel- und Gastronomiebetriebe für die kommende Wintersaison. Gleichzeitig hält der akute Fachkräftemangel die Branche nach wie vor auf Trab. Der Kampf um qualifizierte Mitarbeiter ist groß, die Fluktuation hoch, das Image der Branche schlecht. Während die Regierung Maßnahmen getroffen hat, um die Situation zu verbessern, fragen sich Hoteliers, welche Anreize es braucht, um qualifizierte Mitarbeiter für sich zu gewinnen und auch halten zu können.

„Bekämpfung des Fachkräftemangels hat oberste Priorität“, „Tourismus begrüßt Joboffensive der Bundesregierung“, „Fachkräftemangel gefährdet Arbeitsplätze“ – Schlagzeilen zum pulsierenden Fachkräftemangel in Österreichs Tourismuswirtschaft finden sich mittlerweile wie Sand am Meer. Mit aktuell 162.000 fehlenden Fachkräften in Österreich ist der Kampf gegen den Fachkräftemangel laut Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft ganz klar das Gebot der Stunde . Maximilian Blumschein, Hotelier der ersten Stunde und Geschäftsführer des Hotel Wirtshaus Post im Tiroler St. Johann bestätigt: „Die Lage spitzt sich seit einem guten Jahr zu. Der Tourismus in Österreich boomt – da viele Hotels um den Nachwuchs buhlen, ist es noch schwieriger an gute Kandidaten heranzukommen. Die Rekrutierungszeit hat sich für uns im Vergleich zu 2017 verdoppelt.“

Das Imageproblem der Branche
Während Hotels für ihre Kunden den roten Teppich ausrollen, hinkt das Engagement in Sachen Employee Experience jedoch zumeist hinterher. Das schlechte Arbeitgeber-Image der Gastronomie wird geprägt von überlangen Arbeitszeiten, cholerischen Vorgesetzten, schlechter Entlohnung und keinerlei Aufstiegschancen für Mitarbeiter. Verallgemeinernde Schlechtrederei ist laut Michaela Reitterer, Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung, aber definitiv falsch. Gegenüber einer österreichischen Tageszeitung meint Reitterer: „Wie in jeder Branche gibt es schwarze Schafe, dort besteht Verbesserungsbedarf. Aber wozu immer Einzelfälle über die gesamte Branche ausbreiten?“ Um der Branchenflucht entgegenzuwirken ist es Hotelier Maximilian Blumschein zufolge notwendig, selbst aktiv zu werden: „Jeder jammert, dass Personal fehlt. Das ist Tatsache und wird sich nicht so schnell ändern. Der erste Schritt muss es sein, bei sich selbst anzufangen.“

Bewusste Entscheidung zur 5-Tage-Woche
Mitarbeiter-Benefits, die vor einigen Jahren im Gastgewerbe noch als Luxus angesehen wurden, sind heute zum Standard geworden. Flexible Arbeitszeitmodelle sind zeitgemäße Antworten auf die Fragen der Mitarbeiter. „Der 12-Stunden-Tag ist in der Gastronomie keine Seltenheit, deshalb haben wir uns als Jahresbetrieb für eine regelmäßige 5-Tage-Woche entschieden. Genauso wichtig sind angemessene Personalunterkünfte. Wer diese im ländlichen Raum nicht bieten kann, wird sich schwer tun, Fachkräfte zu finden“, so Hotelier Maximilian Blumschein. Anforderungen kompetenter Mitarbeiter sind eine logische Konsequenz des Mangels. „Hochkarätige Bewerber können sich Stellen aussuchen – und das wissen sie auch. Daher ist es umso wichtiger, das Arbeitsumfeld attraktiv zu gestalten“, bestätigt Geschäftsführerin und Wirtin des Hotel Wirtshaus Post Sigrid Blumschein.

Geld ist wichtig, Wertschätzung wichtiger
Laut einer breit angelegten Studie zum Thema „Glück und Zufriedenheit“ von Beschäftigten im österreichischen Tourismus“ ist dem Fachkräftemangel nur bedingt mit der Erhöhung von materiellen Ressourcen entgegenzuwirken. Lösungen sind im ideellen Bereich, wie etwa in Feedbackkultur, Wertschätzung, Zeitmanagement und Entwicklungschancen, zu suchen. Im ersten Schritt ist faire Bezahlung dem Wirten Blumschein zufolge aber ein Muss: „Das ist die Basis einer gesunden Arbeitsbeziehung und wesentlich, um überhaupt die Aufmerksamkeit von Fachkräften zu erlangen. Wir bezahlen auch ausländische Hilfskräfte über Kollektivvertrag. Engagement und Kompetenz müssen honoriert werden.“ Sigrid Blumschein sieht eine Priorität darin, ein harmonisches Team zusammenzustellen und zum eigenständigen Arbeiten zu motivieren: „Sich mit dem einzelnen Mitarbeiter auseinanderzusetzen, Fortschritte zu erkennen und zu loben ist wesentlich. Das beginnt bereits bei Lehrlingen. Wenn jungen Mitarbeitern immer nur Hilfsarbeiten zugeteilt werden, haben sie nicht das Gefühl, sich weiterzuentwickeln. Das verstehen auch die meisten Gäste – schließlich hat jeder einmal klein angefangen.“ Die Wirte Blumschein haben ihr Team bereits um sich gesammelt und sind bereit für die kommende Wintersaison.

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