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Letztes UpdateMi, 21 Aug 2019 12pm

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Der Zeit voraus sein - Rechtzeitig den Generationenwechsel planen

Gastgewerbebetriebe und Weingüter in Österreich sind bis auf wenige Ausnahmen in Familienbesitz. Grund und Boden werden über Generationen hinweg bewirtschaftet.

Es ist im Sinne aller, dass es für einen lange bestehenden Betrieb gut weitergehen soll und das Weingut von den Eltern an die Kinder übergeht.

Theoretisch ist ein solcher Generationenwechsel sehr einfach. Die Übergeber vermachen ihren Besitz an die Übernehmer – die Kinder; oder zumindest eines der Kinder. Doch sobald dieses theoretische Vorhaben in der Praxis umgesetzt werden soll, ist eine Begleitung hilfreich, um Schwierigkeiten zu vermeiden.

Mögliche Stolpersteine sind:

  • Keines der Kinder mag in die Fußstapfen der Eltern steigen und den Betrieb weiterführen.
  • Die jüngste Tochter will übernehmen. Die Eltern haben für diese Aufgabe jedoch den ältesten Sohn vorgesehen.
  • Um neue gesetzliche Standards einzuhalten, wären Investitionen nötig. Doch der Betrieb hat immer noch sehr viele offene Verbindlichkeiten.

Diese und noch viele andere Szenarien können auftauchen und sollten möglichst rasch geklärt werden.

Ein Nachfolgeprozess dauert etwa drei bis fünf Jahre, wie die beiden ifub-Partner Mag. Elisabeth Bürgler MSc MBA und Karl Muhr aus eigener Erfahrung wissen. In der Zeit ist es möglich, alle Fragen und Eventualitäten zu besprechen und den besten Weg für alle zu finden, um den Generationenwechsel gut abwickeln zu können.

Das bedeutet: Um die Zukunft eines Familienbetriebes sollte man sich rechtzeitig Gedanken machen. Am besten beginnt der Übergeber im Alter von 50 Jahren, sich mit der Thematik der Zeit nach ihm auseinanderzusetzen.

Der optimale Nachfolgeprozess
Im Weingut vermischen sich zwei Systeme: die Familie und der Betrieb. Beides muss für die optimale Nachfolge detailliert betrachtet werden:

  • familiäre Aspekte oder
  • betriebswirtschaftliche Aspekte

Familiäre Aspekte
Im System Familie ist das Bewahren und Erinnern der Vergangenheit fundamental, um eine gemeinsame Zukunft zu haben. Das Weingut selbst muss, um erfolgreich zu sein, nach vorne schauen. Zwar hilft das Bewahren und Erinnern, um das Unternehmen zu erhalten, doch besteht dadurch die Gefahr, auf nötige Investitionen für die Zukunft zu vergessen. Der Drang der Jungen ist es, Neues zu gestalten, um es auch als „ihres“ sehen zu können und nicht nur die vergangenen Tage vor Augen zu haben.

„Mein Anliegen hinter ifub ist es, Übergeber und Übernehmer auf die ganze Bandbreite der Nachfolgethematik aufmerksam zu machen. Es ist weitgehend immer noch so, dass vor allem der Steuerberater und Rechtsanwälte für den Übergabeprozess genutzt werden. Dabei ist es aus meiner Sicht gerade im Vorfeld wichtig, die zwischenmenschlichen ‚Bomben’ zu entschärfen“, sagt ifub-Geschäftsführerin Dr. Manuela Mätzener. Durch die Verflechtung der beiden Systeme spielen Emotionen eine große Rolle. Die Mitarbeiter werden oft als Teil der Familie gesehen. Bei einer sehr engen Zusammenarbeit – wie es in Familienbetrieben der Fall ist – kommt die Kommunikation der Generationen oft zu kurz. Der Betrieb steht meist an erster Stelle.

Familienangelegenheiten werden ausgeklammert, anstatt sie rechtzeitig zu bereden.
Jeder Generationenwechsel ist so individuell wie die daran beteiligten Menschen. Ziel ist stets das Wohl aller Beteiligten. Der Weg dorthin kann variieren. Ob man dazu externe Hilfe in Anspruch nimmt, ist auch eine Frage, die man sich als Übergeber bzw. Übernehmer stellen sollte. Fakt ist, dass sich durch einen neutralen Blick von außen eine eventuell angespannte Situation aufgrund z. B. nicht offen ausgetragener Konflikte besser beheben lässt.

Am Beginn steht stets ein Erstgespräch, um die Bedürfnisse aller Beteiligten zu klären. Sollte es zu einer Zusammenarbeit zwischen einem Familienbetrieb und dem ifub-Team kommen, folgen Tiefeninterviews mit allen involvierten Personen: Übergeber, Übernehmer, Familienmitglieder, weichende Erben und Mitarbeiter. Diese Interviews werden ausgewertet und ein Zwischenbericht erstellt sowie ein Vorschlag erarbeitet für nötige Maßnahmen, um noch offene Fragen oder Unstimmigkeiten zu klären. Das können sein: Coaching, Systemische Aufstellungsarbeit, Konfliktmanagement, Workshops oder 7 Tore ® (ein erfahrungsorientiertes Erlebnisseminar für Einzelpersonen, (Unternehmer-Ehe)Paare oder Führungskräfte).

[Was sich bei Weingütern bewährt hat, ist die von ifub-Partner Karl Muhr durchgeführte marktanalytische Verkostung der Weine im Rahmen eines Workshops. Beim Weingut Raser-Bayer aus Höflein sah dies so aus: Karl Muhr wählte vier der wichtigsten Weine aus und kaufte dann in der Region ähnliche Weine ein (gleiche Rebsorte, gleiche Preislage). Dann wurde gemeinsam eine Blindverkostung durchgeführt, um die Qualität der einzelnen Weine sensorisch (riechen, schmecken, fühlen) zu ermitteln. Anschließend wurde der Marktauftritt gemeinsam analysiert: vom Etikett auf den einzelnen Flaschen bis hin zur Präsentation auf der Webseite.

Dem folgte eine preisanalytische Betrachtung: Wer verkauft seinen Wein um welchen Preis? Warum ist das Weingut X mit teureren Weinen erfolgreicher, obwohl deren Qualität nicht besser ist? Nach dem halben Tag folgten eineinhalb Tage 7-Tore ® mit der ganzen Familie, begleitet durch das ifub-Winzer-Team Mätzener/Muhr.

Eine Conclusio aus dem zweitägigen Familien-Workshop war, die Marke neu zu inszenieren. Dafür wurde mit Elke Zellinger MSc eine weitere Expertin an Bord geholt, die das Weingut durch den Prozess der Markenfindung und -bildung führte. Die Weine von Raser-Bayer sind heute marktorientierter und verkaufen sich besser als zuvor; nicht nur aufgrund des Relaunches.

„Preis und Wert stehen immer in einem Zusammenhang“, weiß Karl Muhr, der selbst Weinhändler und Cateringunternehmer war und sich nun mit ifub auf die Begleitung von Familienbetrieben konzentriert.]

Als sehr hilfreich im Generationenwechsel haben sich auch Familienkonferenzen entpuppt. Hier treffen sich alle Familienmitglieder an einem Tisch und besprechen ihre Vorstellungen und Wünsche, bringen aber auch ihre Sorgen und Ängste zur Sprache. Auch hier ist es nach Erfahrung von Dr. Manuela Mätzener sinnvoll, dieses Treffen mit einem Berater von außen zu unterstützen.

Was für die Nachfolger immer gut ist: Lehr- und Wanderjahre außerhalb des Familienbetriebes zu absolvieren. Einerseits holt man sich so neue Ideen und andererseits weiß man dann auch eher zu schätzen, was man an dem Weingut zu Hause hat. Bei Raser-Bayer hat der Sohn Erfahrungen in anderen Weingütern gesammelt. Die Tochter entschloss sich, nach ihrem Studium eines völlig anderen Wissensgebiets, in den elterlichen Betrieb zurückzukehren.

Fragen, die auch geklärt werden müssen: Wo werden die Übergeber nach dem Generationenwechsel wohnen? Arbeiten sie noch mit? Wenn ja, in welchem Ausmaß? Tatsächlich ist es aus der Erfahrung in der Praxis meist besser, wenn sich die Übergeber aus dem Betrieb zurückziehen. Daher braucht es für diesen Fall eine sinnstiftende Betätigung nach dem Ausscheiden.

Ein paar Tipps der ifub-Partnerin Mag. Elisabeth Bürgler MSc MBA für alle, die vor einer familieninternen Nachfolge stehen:

  • Suchen Sie im Vorfeld das unverbindliche Gespräch mit Experten.
  • Holen Sie alle Informationen ein, die relevant sind: steuerliche, rechtliche und betriebswirtschaftliche.
  • Suchen Sie sich Menschen Ihres Vertrauens, die Sie begleiten.
  • Halten Sie Ausschau nach Vorbildern.
  • Fragen Sie sich: Warum ist der Betrieb X so erfolgreich nach der Übergabe? Was steckt dahinter? Lassen Sie sich auch bei dieser Analyse von außen unterstützen.

Noch ein Hinweis: Externe Berater sagen nicht, wie es am besten geht, sondern hinterfragen den Status Quo und erläutern, welche Vorteile oder Nachteile einzelne Maßnahmen zur Folge haben werden.

Der ifub-Partner Karl Muhr bringt es auf den Punkt: „Ich bin gerne dort, wo man Authentizität spürt.“ Und genau die gilt es beizubehalten, auch wenn der Generationenwechsel von außen begleitet wird.

So kann der Generationenwechsel mit externer Begleitung ablaufen:

  1. kostenfreies Erstgespräch, Bedürfnisse und Auftrag klären
  2. Tiefeninterviews mit allen Beteiligten im Einzel-Setting
  3. Auswertung, Zwischenbericht und Vorschlag für nötige Maßnahmen
  4. Feststellen des wirtschaftlichen Status
  5. Familienkonferenz und/oder Visionsworkshop
  6. Begleiten der Umsetzung bis zum Übergabefest
  7. regelmäßige Begleitung und Evaluierung nach der Übergabe

Betriebswirtschaftliche Aspekte
Laut ifub-Partner Mag. Peter Lindenhofer ist es wichtig, sich schon vor der Übergabe anzusehen, ob ein Familienbetrieb wirtschaftlich „gesund“ ist oder ob es eventuell Begleitmaßnahmen braucht, bevor der Nachfolger alle Agenden vom Übergeber übernimmt.

Mögliche Fragen, die man sich aus betriebswirtschaftlicher Sicht stellen muss:

  • Gibt es Verbindlichkeiten? Wie hoch sind diese?
  • Wie gut ist die Substanz, die ich übernehme (z. B. Liegenschaft, Haus, Betrieb)?
  • Ist die Betriebsausstattung auf dem neuesten Stand der Technik?
  • Welche Investitionen sind notwendig bzw. möchte ich – als Übernehmer – machen?

„Die so genannten „hard facts“ (Zahlen, Daten, Fakten)“, ergänzt die ifub Geschäftsführerin Dr. Manuela Mätzener, „lassen sich nicht unbedingt von den „soft facts“ (emotionale Befindlichkeiten der Familienmitglieder) trennen, denn die hard facts werden durch die soft facts geschaffen.“ Sprich: „Es steckt immer eine (oder mehrere Personen) hinter den Zahlen“, bekräftigt der ifub-Partner Mag. Peter Lindenhofer.

Wenn jemand ein sehr positiver Mensch und zuversichtlich ist, kann er z. B. besser verkaufen. Tageslosungen können immer mit der Tagesverfassung der Betreiber bzw. der Belegschaft zu tun haben.

Was sind die häufigsten Fehler, die aus betriebswirtschaftlicher Sicht gemacht werden?

* Es wird ohne Kennzahlen gearbeitet:
Viele betrachten Kennzahlen nicht als relevante Größe im betrieblichen Alltag; sondern lediglich notwendig bei einer bevorstehenden Besprechung mit der Bank. Dabei sind Zahlen ein Steuerungsinstrument und eine Messgröße für Ziele generell; und sie sollten vor allem bei der Übergabe eine Rolle spielen. Nur so lässt sich erkennen, ob das Weingut genug erwirtschaftet, um z. B. die nächste Familie ernähren zu können oder aber auch genug Geld zur Verfügung zu haben, um weichende Erben auszuzahlen oder um notwendige Investitionen zu tätigen.

* Es wird versäumt zu klären, ob der potenzielle Übernehmer auch als Unternehmer geeignet ist:
Karl Muhr sagt: „Wenn der Sohn schon von Kindesbeinen an im Familienbetrieb mitarbeitet, ist er wahrscheinlich eher geeignet, als wenn er sich lieber zu Hause hinter den Büchern verschanzt. Natürlich gibt es Menschen, die mit den Aufgaben wachsen. Doch lässt sich das schwer vorhersehen. Im Gegenzug gibt es auch scheinbar geeignete Nachfolger, die scheitern, obwohl sie eigentlich die besten Voraussetzungen mitgebracht hätten.“

* Die genannten Zahlen entsprechen nicht der Realität:
Angenommen, es gibt einen Lagerbestand von 50.000 Euro. Woraus setzt sich dieser Betrag genau zusammen? Entspricht dies lediglich einem tatsächlichen Verkaufswert von 25.000 Euro, so ist er nicht wertberechtigt. Auch hier gilt es, mögliche unliebsame Überraschungen vorzeitig zu erkennen.

Bei der genauen Betrachtung der Zahlen ist es hilfreich, einen Steuerberater bzw. Unternehmensberater miteinzubeziehen, um hier nichts zu übersehen. Ein erster Schritt kann sein, die Verbindlichkeiten den Vermögenswerten gegenüberstellen und folgende Frage klären: Muss ich investieren, um gut weiterarbeiten zu können? Und wenn ja: Wo und in welchem Zeitraum?

Basis für einen erfolgreichen Generationenwechsel ist es, die Zahlen ehrlich zu analysieren und dem Ergebnis gegenüber offen zu bleiben. Vielleicht stellt sich heraus, dass es besser ist, einen Teil des Betriebes (z. B. das Restaurant oder den Heurigen) zu schließen und nur den anderen Teil (z. B. das Hotel oder den Weinanbau) weiterzuführen.

„Die Schulden sind ja da, weil ich dir ein besseres Leben aufbauen wollte“, ist ein Satz, den Mag. Peter Lindenhofer von Übergebern immer wieder zu hören bekommt. Gegen eine Übergabe spricht in einem solchen Fall, die Schulden nicht in einem vernünftigen Zeitraum bedienen zu können, da das gute Weiterführen des Familienbetriebes dadurch unmöglich wird.

Beim Generationenwechsel geht es um den erfolgreichen Fortbestand eines Betriebes; dieser lässt sich über die Vergangenheit berechnen:

  • Wie viele Verbindlichkeiten kann ich zahlen?
  • Wo bin ich am Limit?
  • Wo habe ich noch Spielraum, um meine Vorstellungen für Veränderung umzusetzen?

Für den Blick in die Zukunft lohnt es sich auch, Feedback einzuholen:

  1. Mitarbeiter:
    Wie ist die Stimmung in Hinblick auf den Generationenwechsel? „Innerbetriebliche Unterstützung ist wichtig, damit alle in die gleiche Richtung arbeiten“, weiß ifub-Partnerin Mag. Elisabeth Bürgler MSc MBA.
  2. Kunden:
    Wie alt sind sie? Sind sie mit dem Unternehmen mitgewachsen? Sprich: Kommen regelmäßig Kunden des Übernehmers dazu? Oder sind alle im Alter des Übergebers? Auch lässt sich an ihrer Reaktion ablesen, wie sie die Übernahme einschätzen, wenn man den Nachfolger bei den anstehenden Terminen mitnimmt und vorstellt.
    Vertriebswege: „Bleibe ich bei meinen bisherigen Absatzkanälen oder sollte ich zusätzlich Online-Marketing-Maßnahmen als Einnahmequelle überlegen?“, bringt ifub-Partner Reinhard Bogg als Frage ein. Wenn sich der Übernehmer hier in eine neue Richtung orientieren will, muss er sich ansehen, ob und wie erfolgreich das sein kann. Auch hier ist es wichtig, das potenzielle Ergebnis im Vorhinein zu berechnen.

Wenn aus betriebswirtschaftlicher und innerfamiliärer Sicht alles für eine Weitergabe an die nächste Generation spricht, folgen noch steuerliche Überlegungen und außerdem auch die erforderlichen rechtlichen Schritte wie die Eintragung ins Grundbuch, der Übergabevertrag usw.

Natürlich können nach dem erfolgreichen Abschluss einer Übergabe des Familienbetriebes Konflikte auftauchen. Vielleicht wurde vergessen, die weichenden Erben zu berücksichtigen und diese fordern im Nachhinein Mitsprache bei Entscheidungen ein. Um hier nicht vor Gericht ziehen zu müssen, gibt es andere Möglichkeiten wie z. B. ein Konfliktmanagement.

Die Partner von ifub unterstützen Familienbetriebe gerne beim Generationenwechsel und in der Zeit danach. Damit es gut weitergeht – für Sie, Ihre Familie und Ihr Betrieb.

www.hollengut.at
www.ifub.at