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Letztes UpdateMi, 16 Okt 2019 10am

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Eine Milliarde Menschen haben eine vermeidbare Sehbehinderung: WHO veröffentlicht ersten Bericht zur Weltaugengesundheit

2,2 Milliarden Menschen müssen weltweit mit Sehstörungen oder Blindheit leben, wobei eine Milliarde dieser Fälle vermeidbar oder behandelbar wären.

Das sagt der zum ersten Mal veröffentlichte Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Augengesundheit (World Report on Vision), der vor dem Welttag der Augengesundheit am 10. Oktober bereits heute in Genf präsentiert wird. Die häufigsten Ursachen dafür sind Kurz- und Weitsichtigkeit sowie Grauer und Grüner Star. „36 Millionen Menschen sind heute blind. Besonders betroffen sind Menschen in den ärmeren Regionen der Welt, wo die meisten Menschen keinen Zugang zu einer einfachen Operation, einer Brille oder Rehabilitation haben. Dies hat zur Folge, dass Millionen Kinder und Jugendliche nicht die Schule besuchen können und Frauen und Männer nicht für sich und ihre Familien sorgen können“, so Rupert Roniger, internationaler Geschäftsführer von Licht für die Welt. Die Organisation, deren Experten an der Entstehung des Berichts mitgewirkt haben, begrüßt den World Report on Vision als Meilenstein im weltweiten Kampf um die Verbesserung der Augengesundheit und Verhütung von Blindheit.

Nach dem WHO-Bericht leben mindestens 2,2 Milliarden Menschen mit einer Sehbehinderung oder sind blind. Eine Milliarde Menschen sind heute noch unversorgt – sie benötigen eine Brille oder eine Operation, und in vielen Fällen hätte eine Sehbehinderung durch rechtzeitige Behandlung verhütet werden können. Derzeit sind allein 65 Millionen Menschen blind oder sehbehindert aufgrund von Grauem Star – sie könnten durch eine Operation behandelt werden. 800 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu einer Brille. Um Kurz- und Weitsichtigkeit und Grauen Star zu behandeln bräuchte es weltweit die Summe von 13 Milliarden Euro, errechnete die Weltgesundheitsorganisation. Licht für die Welt ruft die Regierungen, Unternehmen, Stiftungen und zivilgesellschaftliche Organisationen auf, die Zusammenarbeit zu verstärken und die notwendigen Mittel bereitzustellen, damit alle betroffenen Menschen Zugang zu medizinischer Versorgung erhalten.

Von Blindheit und Sehstörungen sind in besonderem Ausmaß Menschen in ländlichen Regionen, solche mit niedrigem Einkommen, Frauen, Menschen mit Behinderungen sowie ethnische Minderheiten und indigene Bevölkerungsgruppen betroffen, so der Bericht weiter. Besonders schlimm ist die Situation in den Ländern südlich der Sahara und in Südasien, wo die Blindheitsraten bis zu acht Mal höher sind als in Ländern mit hohem Einkommen.

Augengesundheit wird Herausforderung für die Gesundheitssysteme

In den nächsten Jahrzehnten wird sich die Situation bei der Weltaugengesundheit drastisch verschlimmern und eine große Herausforderung für die Gesundheitssysteme darstellen, so die WHO. Der WHO-Bericht zeigt, dass die Zahl der von Blindheit und Sehstörungen betroffenen Menschen in Zukunft zunehmen wird. Die Gründe dafür sind vor allem die wachsende und älter werdende Weltbevölkerung und die veränderten Lebensgewohnheiten. Die Kurzsichtigkeitsrate steigt vor allem deshalb an, weil sich Menschen viel mehr in geschlossenen Räumen aufhalten, sowie aufgrund der Arbeit an Computern und Smartphones. Mehr Zeit im Freien kann dem entgegenwirken, so der Bericht. Eine weitere Ursache ist die Zunahme von Diabetes. Fast alle Diabetiker entwickeln eine Form der diabetischen Retinopathie, einer Erkrankung der Netzhaut. Vor allem betroffen sind auch Menschen in Ländern, die keinen oder kaum Zugang zu regelmäßigen Augenkontrollen haben. Bei ihnen werden Augenkrankheiten entweder gar nicht oder viel zu spät erkannt und Blindheit ist oft die Folge.

Die WHO urgiert in dem jüngsten Bericht den Ausbau von Prävention, Früherkennung sowie rechtzeitige Behandlung und Rehabilitation. „Augengesundheit muss näher bei den betroffenen Menschen, also auch in ländlichen und benachteiligtem Regionen vorhanden sein“, empfiehlt Roniger aufgrund der Erkenntnisse des Berichts. „Besonders für Menschen, deren Sehfähigkeit nicht mehr wiederhergestellt werden kann, müssen die Rehabilitationsmaßnahmen verbessert werden, damit auch sie Zugang zu Bildung und Arbeit haben um ein unabhängiges Leben führen zu können“, so Roniger. Ein zentraler Punkt für Licht für die Welt ist auch, dass der vorliegende Bericht die integrierte, patientenzentrierte Augengesundheit in den Mittelpunkt stellt. Die Organisation setzt sich in ihren Projektländern stark dafür ein, dass Augengesundheit ein integraler Bestandteil der Krankenversicherungen und Gesundheitssysteme wird, und auch ausreichend einheimische Fachkräfte ausgebildet werden.

Licht für die Welt organisiert am Mittwoch, 9. Oktober um 19 Uhr, am Vorabend des Welttags des Augenlichts, eine große Videoprojektion auf die Fassade des Weltmuseums mit Musik von Mario Parizek und lädt die Öffentlichkeit dazu ein.

www.licht-fuer-die-welt.at